christ.sein 7.0

Eine Tagung mit Marion Küstenmacher zur  Einübung in eine neue spirituelle Intelligenz
21.03.2020, in Kooperation mit spirituell leben in der Ev. Kirchengemeinde Sieburg.

Eine integrale Betrachtung zeitgenössischer Glaubenspra­xis im Horizont aktueller Er­neue­­rungs­bestrebungen. Ein Versuch das individuelle Erwachen (zum Leben) und dessen per­sön­liche Entfaltung (als Miteinander) angemessen in den Blick zu bekommen.

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Die Wiederentdeckung der Mystik in den Religionen, das Erscheinen einer transpersonalen Psychologie und die breite Etablierung meditativer Praxis können im 20. Jahrhundert als mar­­kante Anzeichen eines religiösen Wandels verstanden werden – insbesondere im euro­päi­schen Kulturraum. An den Rändern institutio­nali­sierter Religiosität hat sich hier eine reflexiv-praktische Neuausrichtung des Glaubens vollzogen – beschrieben als Säkularisierung und Spi­­ri­­tualisierung, den beiden Problemformeln für diesen Ab- wie Aufbruchsprozess.

Gegenwärtig tritt dieser Wandel in eine erste Konsolidierungsphase ein. In der greifbaren Ero­sion eta­blierter Glaubensweisen beginnt sich die neue Praxis deutlicher zu formie­ren. Sie tritt aus dem Stadium vielfältigen Experimentierens heraus und nimmt sowohl kon­zep­tionell wie organisatorisch Gestalt an – ohne sich dabei an konfessionell geprägte Grenz­ziehun­gen zu halten. Für die bestehenden religiösen Institutionen wie die Kirchen heißt dies nun end­gültig: Sie brauchen ein Glaubensupdate, wie Marion Küstenmacher vom Projekt Gott 9.0 fest­stellt.

Spirituell Suchende sind da praktisch oft schon einen Schritt weiter. Aber auch je­de(r) von ih­nen steht vor der Herausforderung, ein dem Lebensgefühl wie -entwurf ange­mes­se­nes Glau­bens­verständnis zu entwickeln – nebst der dazugehörigen Praxis und dem ent­spre­chen­den Ort. Dabei ist die spirituelle Sinnsuche keineswegs als beliebige re­li­gi­öse Shop­­pingtour miss­zu­ver­stehen, wie allzu oft geschehen. Sie ist vielmehr der Ausdruck einer modern ge­wach­se­nen Individualität in der durchaus risikobereiten Erprobung neuer Glaubensformen.

Mit diesen ebenso praktischen wie reflexiven Erprobungen ist in Zu­kunft fest zu rechnen – in­dividuell wie institutionell. Denn Glauben als Vertrauen auf, Hoffnung für und Ge­­staltung des eigenen Lebens buchstabiert sich in einer `mit Individualität rechnenden näch­­sten Ge­sell­schaft´ (Dirk Baecker) anders als bisher. Für jede(n) Ein­zel­ne(n) geht es dabei we­sent­lich um das Ver­hältnis von `Auf­wa­chen´ dank me­di­ta­tiver Praxis und `Auf­wachsen´ als schritt­wei­ses per­­sön­liches Rei­fen aus einer offen gelebten Glaubenspraxis heraus.

Die Orte des Glaubens und ihre meist kirchlichen Träger können von diesen spirituellen  Formgebungs­ver­suchen nicht unberührt bleiben. Sie haben sich schon aus Gründen des Selbsterhalts darauf ein­zu­stel­len, den individuellen Suchbewegungen Raum und Gelegenheit zu geben. Denn der Christ der Zukunft wird ein `Mystiker´ sein – einer der etwas von und mit Gott `erfahren´ hat, wie Karl Rahner bereits vor Jahrzehnten erkannte – oder er wird höchst wahr­schein­lich nicht mehr sein und mit ihm auch nicht mehr die Kirche von heute.

Wie sich dieses Verhältnis von Aufwachen und Aufwachsen darstellt und was es für den Ein­zel­­nen wie die Gemeinschaft bedeutet, in der er lebt, wird Marion Küstenmacher in einer ent­wick­lungs­psycho­lo­gi­schen Perspekti­ve darlegen.

21.03.2020 in Siegburg

Weitere Infos zur Anmeldung folgen.